6. Tourstadt Garmisch-Partenkirchen

05.10.2026 – Garmisch-Partenkirchen

Für uns heißt es: Comeback im Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie in Garmisch-Partenkirchen, mit fantastischem Bergpanorama. Nach den Off-Days startet die zweite Tour-Woche mit einer uns bekannten Location – noch vor sieben Jahren war die Rheuma-Klinik der erste Tourstopp bei der ersten großen Nightliner-Tour.

Während die anderen Teammitglieder noch im Off-Days-Hotel ihr Frühstück genossen, fuhr ich aus München los. Und nach ganzen 10 Minuten Nightliner-Busfahrt treffen wir uns alle zum Crew-Call um 11:30 Uhr. Das ist außergewöhnlich spät, aber da die Klinik mit vier Stationskonzerten eher kleiner ist, können wir uns den entspannteren Start in den Tag gönnen.

Im Tourbus treffe ich auf ein gut gelauntes, motiviertes Team, das etwas kleiner ist als sonst: Die Grippewelle setzte leider auch einige aus unseren Reihen außer Gefecht. Als extern anreisendes Mitglied ist es für mich auch bei meinem fünften Kinderklinikkonzert immer wieder eine Überraschung, auf welchem Energielevel die anderen sind, wenn man am Morgen ankommt.

Aber so direkt nach den Off Days sind natürlich alle am voll am Start und Trailer ausladen, Geschenktüten packen sowie Catering herrichten, ist im Nu fertig. Kaum sitzen wir bereit zum Mittagessen im Aufenthaltsraum, kommen auch schon die Künstler:innen herein. Es folgt ein freudiges Wiedersehen mit Chris (Sänger) und Andy (Gitarrist) von KUULT sowie Caro und Daniel von Glasperlenspiel. Die sind heute zum ersten Mal mit einem neuen Keyboard am Start, das noch für einige lustige Momente auf den Stationen sorgen sollte.

Bei den Konzerten lernen wir hier viele Kinder kennen, die mit ihren Familien weite Anfahrten in Kauf nehmen müssen, um sich hier in der Klinik behandeln lassen zu können. Ein neunjähriges Mädchen ist mit ihrer Mama gar aus Belgrad angereist.

Sie versteht nicht viel von der Musik, das hält sie aber nicht davon ab, ordentlich mitzuklatschen!

Lena aus Nordbayern hängt während des Konzerts am Tropf, es laufen Infusionen durch. Mit Maske darf sie im Spielezimmer am Konzert teilnehmen, die ärztliche Freigabe gab’s kurz vorher.

Ein fünfjähriges Geschwisterkind einer anderen Patientin protestiert erst und will nicht am Konzert teilnehmen. Mama nimmt sie auf den Schoß. Mit der Zeit wird sie ruhiger und am Ende fängt sie auf einmal an, sich mit meiner Katzen-Handpuppe richtige Finger-Fress-Fights zu liefern. Die Schwester feuert sie währenddessen an.

Zwei Reihen weiter vorne entdecken wir am Ende des Konzerts auf einmal, dass ein richtiger Glasperlenspiel-Fan im Raum war, als Caro ihren letzten Song ankündigte und sie ihn mit „Geiles Leben!“ richtig erriet. Danach wird natürlich jeder Vers textsicher mitgesungen.

Aber natürlich wird es auch ruhiger und emotionaler, als KUULT ihren Song „Wenn du lachst“ anstimmen – oder Caro alle Kinder mit der Hook ihres neuen Songs „Selflove – meine neue Therapie“ ermutigt, an sich selbst zu glauben. In den Augen einiger Eltern kann ich spätestens da die erste Träne erkennen.

Nach den Konzerten schaue ich in strahlende Augen – egal ob 5 oder 15 Jahre alt, als wir die Geschenktüten verteilen. Die Kuscheltiere werden direkt getauft und sicherlich wird in dem ein oder anderen Patientenzimmer, das sich hier teilweise vier Personen teilen, Stadt-Land-Vollpfosten gezockt.

Die Patientinnen und Patienten kennen sich teilweise untereinander gut, sind für mehrere Wochen und teils mehrmals im Jahr hier. Schmerztherapie ist aufwendig und braucht Zeit. Am heutigen Tag steht deshalb einfach mal Konzert genießen buchstäblich auf dem Therapieplan. Neben Infos, welche Nahrung für Rheuma-Patient:innen verträglich ist. Und was morgen dann wieder auf dem Beschulungsplan steht.

Wir als Team vom Kinderklinikkonzerte e.V. haben das Privileg, nach den Konzerten ohne Therapieplan die Konzertorte wieder zu verlassen. Ohne einen Essensplan, ohne starke Medikamente. Ohne Beschulungsplan. Sondern mit viel Desinfektionsmittel auf den Händen und Erinnerungen im Gepäck. Und Einblicken in eine Umgebung, in der ohne Zusammenhalt, ohne Zusammenarbeit vieler Fachbereiche und qualifizierten, schlauen Menschen nicht viel gehen würde.

Vom Catering-Team werde ich noch fix mit vorportioniertem Abendessen in To-Go-Schalen ausgestattet, schnell noch ein paar Umarmungen, dann geht’s vollgepackt mit diesen Eindrücken in den Zug zurück nach München.

Bis morgen, dann lesen wir uns wieder. Gute Nacht!

Eure Annika

Fotos: Julia Tiemann

Video: Calvin Müller