01.10.2026 – Jena
Tag 4 in Jena: Wo Musik Herzen berührt
Das Universitätsklinikum Jena empfing uns mit offenen Armen. Das Klinikpersonal hieß unser Team mit einer Wärme willkommen, die sofort spürbar war. An der Eingangstür unseres Team-Raums hing ein selbstgemachtes Plakat, das von Patient:innen verschiedener Stationen mit liebevollen Sprüchen und bunten Farben gestaltet wurde. Schon dieser erste Eindruck machte den Tag für mich zu etwas Besonderem.
Acht Stationen warteten auf uns: Von der Notfallambulanz über die Pädiatrie, Intensivstation und Neonatologie bis hin zur Onkologie-Station – Tag 4 war wieder ein voller, intensiver Tag. Und diesmal hatten wir sogar dreifache Verstärkung: Samuel Rösch, Luna und Johnny Mahoro, drei Künstler:innen, die speziell für die kleinen Patient:innen da waren.
Unser Tag begann in der Kinder-Notfallambulanz mit einem Konzert, das mich sofort in seinen Bann zog. Bevor es losging, lernte ich die kleine Luna (7 Jahre) kennen. Als sich die Künstler:innen vorstellten (unter anderem auch Sängerin Luna) hob die Kleine plötzlich die Hand – und sagte mit strahlendem Selbstbewusstsein: „Ich heiße auch Luna, genau wie du!“ Nach dem Konzert war der „Fangirl-Moment“ vorprogrammiert: Fotos, Lachen und eine Verbindung, die schon vor Konzertbeginn entstand.
Meine erste Begegnung mit der Neonatologie-Station war ein zweites Erlebnis, das mich an diesem Tag tief berührte. Hier lagen zarte Frühchen, manche als Zwillingspaare, umgeben von einer Atmosphäre, die sich nach Hoffnung, Ruhe und viel Liebe anfühlte. Die Konzerte fanden leise auf dem Flur statt, die Künstler:innen passten ihre Stimmen an, wählten sanfte Lieder. Eine Krankenschwester führte mich in den Raum eines kleinen Babys, wo ich Geschenktüten an die Geschwisterkinder überreichte. Der Anblick dieses winzigen Wesens auf dem Oberkörper der Mama ließ mich erneut innehalten. Die Mutter bedankte sich bei uns, für diesen kurzen Moment der Entlastung, der ihr Kraft gab. Genau dafür machen wir das hier.
Doch der Tag war noch nicht vorbei, als die letzten Noten verklungen waren. Die übrig gebliebenen Geschenktüten wurden ausgepackt und die Kisten in den Anhänger geräumt. Und genau da erzählte mir eine Nadja von zwei Momenten auf der Neuro-Station:
Ein kleiner Junge, der sonst kaum ein Wort sprach, bedankte sich plötzlich nach dem Konzert und redete. Ein anderer Junge, dessen rechte Hand aufgrund neurologischer Gründe kaum funktionierte, bediente eines unserer Geschenke plötzlich mit seiner rechten Hand. Solche Dinge klingen fast wie Märchen. Doch wir erleben sie immer wieder. Musik hat diese unglaubliche Kraft: Sie heilt, verbindet und lässt das Unmögliche wahr werden. An Momente wie diese glauben wir und geben dafür alles. Momente wie diese zeigen uns, warum wir in Kinderkliniken in ganz Deutschland unterwegs sind. Und warum sich das lohnt.
Eure Patrizia
Fotos: Julia Tiemann
Video: Calvin Müllere
