29.09.2026 – Lübeck
Das Kinderklinikkonzert im UKSH in Lübeck war für mich dieses Mal „nur“ ein Tageskonzert. Und doch fühlt es sich jedes Mal ein bisschen so an, als würde man für ein paar Stunden in ein Paralleluniversum eintauchen – einen Ort, an dem der Alltag draußen bleibt, Sorgen für einen Moment leiser werden und Musik etwas schafft, das man kaum in Worte fassen kann.
Doch bevor am Nachmittag die Konzerte starten, muss eine Menge vorbereitet werden. Der Tag beginnt mit unserem Crew-Call, bei dem die wichtigsten Punkte des Tages besprochen werden. Und dann geht es ans Ausladen.
Der Anhänger ist voll. Sehr voll sogar. Kein Wunder – Lübeck ist der erste Tourstopp nach unserer Vereinsheimat Magdeburg, und entsprechend viele Sachspenden für 2 Wochen Kinderklinikkonzerte sind mit an Bord. All die Cases, Kartons und Kuscheltiertüten müssen in die Klinik.
Trotzdem läuft alles erstaunlich ruhig. Die Menschenkette beim Ausladen funktioniert, Kartons wandern schnell von Hand zu Hand und kurze Zeit später ist alles dort, wo es hingehört. Auch das Packen der Geschenktüten hat sich über die letzten Jahre so gut eingespielt, dass viele Handgriffe fast wie von selbst funktionieren.
Und dann beginnt das, worauf es eigentlich ankommt: Die Konzerte.
Besonders berührt haben mich dieses Mal die leisen Momente. Kinder, die etwas schüchtern und zurückhaltend waren, begannen aus der Ferne doch mit unseren Handpuppen zu interagieren. Ganz vorsichtig, ganz auf ihre eigene Weise. Niemand musste laut sein oder im Mittelpunkt stehen. Jede Begegnung durfte genauso sein, wie sie gerade möglich war.
Auf der Chirurgie lag dieses Mal irgendwie eine Leichtigkeit in der Luft. Eltern und Kinder lachten gemeinsam, genossen den Augenblick und konnten einfach einmal glücklich sein. Gleichzeitig waren da die anderen Gefühle – Eltern, die für ihre Kinder stark sind, jeden Tag so viel tragen und bei der Musik plötzlich Tränen in den Augen hatten.
Vielleicht, weil Musik manchmal genau das schafft: Sie öffnet einen Raum für Freude, Hoffnung und Rührung – alles gleichzeitig.
Die Mitsingparts nahmen die Räume ein. Stimmen wurden lauter, Kinder sangen mit und für einen Moment klang das Krankenhaus ein bisschen weniger nach Krankenhaus.
Ein Junge, der erst kaum sprach, erzählte mir beim Blick auf das Bluey-Kuscheltier in seiner Geschenktüte plötzlich stolz, dass er viele der restlichen Figuren zuhause stehen hatte.
Und dann war da ein Mädchen, das noch nicht lange aus der Narkose wach war. Später tanzte sogar ihr eigenes Kuscheltier auf dem Schoß mit.
Später bekam ich bei einem Interview mit, wie ein Mädchen Revelle erzählte, wie toll sie es fand, zu hören, dass Karma nicht immer schlecht ist – nachdem Revelle genau davon gesungen hatte. Außerdem genossen viele Kinder es, im Song von Jan Salander mit „Scheißegal“ endlich einmal richtig laut fluchen zu können. Michael Schulte nahm die Familien mit seinen gefühlvollen und gleichzeitig kraftvollen Songs mit.
Auf der Neonatologie war unsere jüngste Konzertbesucherin gerade einmal zwei Tage alt.
Auch die Kinder aus der Tagesklinik haben mich beeindruckt. Einige wirkten zunächst eher zurückhaltend oder hatten Schwierigkeiten mit dem vollen Raum und den vielen Eindrücken. Manche hielten sich zwischendurch die Ohren zu. Und trotzdem tauten sie im Laufe des Konzerts auf, beobachteten, lächelten und interagierten – jede und jeder auf ganz eigene Weise.
Vielleicht ist genau das das Besondere an den Kinderklinikkonzerten: Es gibt kein richtig oder falsch. Es muss nicht jeder mitsingen. Nicht jeder muss tanzen. Nicht jeder muss mitten im Raum stehen. Manchmal reicht es, aus sicherer Entfernung mit einer Handpuppe zu interagieren. Manchmal reicht ein Bluey-Kuscheltier. Manchmal tanzt das eigene Kuscheltier mit. Und manchmal muss man einfach nur die Augen schließen und zuhören.
Den ganzen Tag über begegneten uns unfassbar nette Menschen. Mitarbeiter, die unglaublich motiviert und hilfsbereit sind und denen man gleichzeitig ansieht, dass auch ihnen die Konzerte Freude machen. Diese Leichtigkeit, die plötzlich in den Räumen liegt, erreicht eben nicht nur die Kinder und ihre Familien.
Und vielleicht ist das einer der schönsten Aspekte dieser Tage: Für ein paar Stunden dürfen auch die Erwachsenen einfach genießen.
Viel zu schnell geht so ein Tageskonzert dann wieder vorbei. Ich freue mich umso mehr, das Team am Ende der Tour noch an weiteren Konzerttagen unterstützen zu dürfen und dann auch das Nightliner-Feeling wieder mitzunehmen.
Für heute heißt es:
Tschüss Lübeck. Bis ganz bald liebes Team!
Heute nehme ich nochmal ganz besonders mit:
Vielleicht verändert ein Konzert nicht die ganze Situation.
Aber es kann einen Moment verändern. Und manchmal ist genau das unglaublich viel. Und genau das, was es in diesem Moment braucht.
Eure Yvonne
Fotos: Julia Tiemann
Video: Calvin Müller
